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Titel: „Buchskulptur bestehend aus zwei Teilen:

Skulpturteil 1 Beutelbuch - Skulpturteil 2 Das Schindeltier“ 

 

H 144 x B 74 x L 108               H 56 bis 80 x B 50 bis 70 x L 140

 

Die Skulpturen bestehen aus verschiedenen Materialien und sind mit handwerklichen Techniken umgesetzt worden, die im Wesentlichen nicht industrielle sind. Materialien sind: verschiedenen Holzarten (Ahorn, Fichte, Weide, Altholz vermutlich Fichte und Kiefer), Edelstahl, Stahl, Schnüre, Harz, Jute, Fischernetz, Polyglasbeschichtung, Wachs, Indigobeize, Schellack, Graphit (Bleistift).

 

2012


Kurzbeschreibung:

Das Buch als Wissensträger. Was ist ein Buch? Welches Wissen vermitteln seine Materialien? Das Buch als Haut über dem Körper getragen, als performatives Objekt das sich bewegt und in Bewegung ist wie die Sprache und die Bilder, die es füllen. 

 

Länger:

Wenn das Buch ein Tier ist, dann ist es auch ein Gedicht. Dann hat es einen Körper, der an uns anhaften kann und Haftbande schmiedet, wie eine gute Freundin*, der zu begegnen ein Fetisch wird. 

 

Ich beschäftige mich in dieser Arbeit mit dem Buch auf skulptural abstrakter Ebene mittels poetischer Formfindungsweise (nach Andreij Tarkovskij) und mit Fokus auf Fetischcharakter und Körperbezug des Buches. 

 

Die Installation im Lesesaal der Bibliothek der Akademie, besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil heißt „Skulpturteil 1 Beutelbuch“. Das Beutelbuch wurde, in einem Lederbeutel, der Teil des Einbandes war, am Körper getragen. So ein Buch, dass man häufig mit sich trägt, hat eine besondere Bedeutung für die Trägerin*. In gewissem Sinne ist es ein Fetisch.

Ich verwende den Begriff in seiner etymologischen Bedeutung, wo Fetisch als „magischer Gegenstand“, als „Zauber“ oder „Zaubermittel“ oder ein „künstlich Hergerichtetes“ beschrieben wirdIm Beutel dieser Skulptur befindet sich ein vollständiger Text und zwei Fotos. Der Beutelinhalt bezieht sich auf den Gebrauch von Fotografien bzw. Texten geliebter Personen als am Körper getragener Fetisch (z.B. Liebesbriefe bzw. Fotos in Brieftaschen oder Medaillons).

 

Teil der Buchskulptur sind Gedichte. Das Ausgangsmaterial dieser Gedichte waren Texte, sowohl von Freundinnen* als auch von mir, die ich in einem zweiten Schritt weiterverarbeitet habe, indem ich sie letztlich in wenige Zeichen verdichtete. Diesen Prozess nenne ich „radikale Verdichtung“. Der Prozess der radikalen Verdichtung war von der Frage geleitet, welche Spuren von den ursprünglichen Texten sichtbar bleiben sollen? 

 

Der Text „Die Abenteuer des Schindeltiers“ ist die Basis für den zweiten Teil der Skulptur mit dem Titel „Skulpturteil 2 Das Schindeltier“. Skulpturteil 2 ist gewissermaßen selbst ein poetischer Text und besteht komplett aus Holzschindeln. Auf einigen dieser Schindeln finden sich die radikalen Verdichtungen von drei weiteren Texten. Diese performative Skulptur ist nur vollständig, wenn ihr eine Person innewohnt. Das Schindeltier ist angelehnt an rituelle Gewänder oder den gesamten Körper bedeckende Masken, die performativ verwendet werden und Geschichten erzählen. Die Form wird hier durch die menschliche Gestalt bestimmt, zum Leben erweckt und in Bewegung versetzt.